Epilepsiechirurgie

Neurologische Klinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Stefan Schwab

Epilepsiezentrum

Sprecher: OA Prof. Dr. med. Hajo Hamer

Die Entscheidung über die Anwendung epilepsiechirurgischer Therapieverfahren wird in der interdisziplinären Konferenz zwischen Neurologen, Neuropsychologen, Neurochirurgen, Nuklearmedizinern, Neuroradiologen und Neuropathologen sorgfältig abgewogen.

Das Epilepsiezentrum arbeitet hier eng mit der Arbeitsgruppe Epilepsiechirurgie an der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum zusammen.
Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen führte zur Gründung des Epilepsiezentrums und zur Ernennung zum „Zentrum der höchsten Versorgungsstufe“ auf dem Gebiet der Epileptologie durch das BMG. Das Epilepsiezentrum ist eines von bundesweit vier Zentren, denen der Grad IV-Status zugeteilt wurde.

Kommt es zu einer positiven OP-Entscheidung, wird jeder Eingriff mit Hilfe modernster Technologie gemeinsam geplant und durchgeführt.

Die Epilepsiechirurgie umfaßt mehrere Methoden. Welche davon beim einzelnen Patienten zur Anwendung gelangt, muß in Abhängigkeit von den diagnostischen Befunden entschieden werden.

  • Resektionsverfahren
  • Diskonnektionsverfahren
  • Vagusstimulation
  • Bestrahlungstherapie

Resektionsverfahren:

Bei diesem Verfahren wird epileptogenes Gewebe aus dem Hirn entfernt. Angestrebt wird dadurch eine gänzliche Anfallsfreiheit.
Um eine epileptische Erkrankung mittels einer Resektion therapieren zu können, muß der epileptische Herd genau eingrenzbar sein.
Es darf sich nur um einen einzigen Herd handeln (Unifokalität) und dieser darf nicht in funktionell bedeutsamen Hirnarealen (also in Bereichen, die z. B. für die Sprache oder die Motorik zuständig sind) liegen.
Der Fokus muß für den Neurochirurgen erreichbar sein. Um bei möglichst geringen Gewebsentfernungen bestmöglichen therapeutischen Nutzen zu erreichen, hat man sog. Tailored Resections (maßgeschneiderte Resektionen) entwickelt. Bei dieser Operationstechnik wird während der Operation das Ausmaß der Gewebsentfernung durch EEG-Ableitungen am offenen Gehirn (Elektrocorticographie, ECOG) festgelegt. Zur Planung einer funktionserhaltenden Epilepsiechirurgie ist die Neuronavigation einschließlich MEG und intraoperativem MRT eingerichtet.

Diskonnektionsverfahren:

Die Unterbrechungsverfahren werden eingesetzt, wenn eine Resektion nicht möglich ist. Ihre Wirkung beruht darauf, daß die Ausbreitung der epileptischen Erregung im Gehirn durch eine gezielte Durchtrennung von Nervenbahnen unterbrochen wird.

Bei der Multiplen Subpialen Transsektion (MST) durchtrennt man direkt unter der Hirnhaut liegende nervale Leitungsbahnen. Sie kommt z. B. bei Herden im Bereich funktionell wichtiger Hirnzentren zum Einsatz.

Eine Callosotomie (Balkendurchtrennung) stellt eine tiefer im Hirn gelegene Durchtrennung von Nervenfasern dar. Sie führt meist nicht zur Anfallsfreiheit, kann aber Patienten mit schweren Sturzanfällen eine deutliche Linderung bringen.